Home Gedichte Gedichte

 

Mahmood Falaki

 

 

KLANG AUS FERNE und FELSEN


Schrei des Nachbarkindes
entrinnt durch das schwarze Fell der Katze,
die mich aus dem Oktobergarten erspäht.
Sie träumt die Zeit
in mir.

Die Wörter verlieren ihre Bedeutung,
die Katze ihr Fell.
Es bleibt nur Klang
aus Ferne und Felsen
in mir.


DIE FRAGE


Ich bin nicht die Antwort;
nur ein Wort,
das die Frage sucht.

Hell und dunkel
sind nur Worte;
schau an meinen Namen,
der in die helle Nacht-Sprache wächst.

Was ist die Frage?



NAME AUS NICHTS

Hinter den verführenden Träumen
schimmert ein Name aus Nichts.
Keiner liest ihn.

Auf dem Schimmel der Gewohnheit
rudern zwölf Männer
ein bodenloses Boot,
umringt von Geistern aus Eitelkeit und Eisen.

Eine nackte Frau
reitet einen Schimmel
am Rande des Augenflusses.
Sie sammelt die Vergangenheit aus Wind.
Keiner schaut sie an.



DIE LIEBE

Formlose Wollust
formt die ächzenden Hände,
um den Tod zu vertreiben.

Wind weht
Blatt fällt
Sie schläft.

Das Leere schreibt die Wonne
Die Stille erspäht mich.




HOTEL LABYRINTH

Ein morgentliches Gedicht
steht in einem Hotelzimmer auf.
Gedichte sind Träume von Toten,
um sich an dem Vater Chronos zu rächen.

Tod ist ein Zimmer aus Nimmer
Gedicht aus Immer
Ich wackele zwischen Immer und Nimmer
im Hotel Labyrinths Zimmer.



Ein paar Liebesgedichte

1
Ich lief dir nach auf die Straße.
Du warst gegangen.
Ich nahm deinen Schatten vom Bürgersteig auf
und brachte ihn nach Hause


2
Um Mitternacht
hörte ich dein Lachen.
Ich öffnete das Fenster:
Es schneite.


3
Auf der Such nach dir
fand ich mich selbst.
Als ich dich fand,
habe ich mich verloren.


4
Mit dem Rauchen des Windes
wurde der Baum nackt.
War der Baum verliebt?


5
Ich sagte: „Wenn du kommst,
teile ich meinen Traum mit dir.“
Du bist nicht gekommen
und ich träume nicht mehr.


UNENDLICHKEIT

Jemand nähert sich meinem Traum.
Ich öffne meine Augen.
Das Licht geht an
und eine Hand vom Rande der Welt
drückt den Türgriff.

Ich habe nicht die Abgeklärtheit der Toten,
die nicht mehr zurückkehren:
Ich wache auf
und umfange dich.


LLETZTES WORT

 


Ich fürchte mich vor dem unbeschriebenen Blatt.
Unter seiner Weißheit scheint es etwas zu geben,
das ich nicht sehe.

Vielleicht ist es es bereits vorher beschrieben worden
oder eine ungeschriebene Schrift
hält sich darin verborgen!

Denn unterdrückt mein Gedicht
die ungeschriebene Schrift.
Sie würde etwas leiden,
wie die Zukunft,
die unter der Gegenwart leiden wird.

Ist es denn nicht besser,
wenn ich keine Gedichte mehr schreibe?
Und wäre es ist nicht besser,
wenn ich die Welt
mit dem letzten Wort beende?